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Klimaschutzinitiative des Monats

 

Ab Mai 2011 stellen wir jeden Monat eine Klimaschutzinitiative vor, die sich aktiv für den Ausbau erneuerbarer Energien vor Ort einsetzt.

 

2011

Mai | Juni | Juli | August | September | Oktober | November | Dezember |

 

 

2012

Januar | Februar

 

 

Februar 2012/ Berliner Energietisch

 

Der Berliner Energietisch – ein breites gesellschaftliches Bündnis aus lokalen Initiativen und Organisationen, dem auch BürgerBegehren Klimaschutz angehört – gründete sich im letzten Jahr vor dem Hintergrund des Ende 2014 auslaufenden Strom-Konzessionsvertrags und der damit verbundenen Chance zur Rekommunalisierung der Berliner Energieversorgung. Ziel des Energietisches ist der Rückkauf der Stromnetze und die Gründung berlineigener Stadtwerke als einen modernen, ökologischen und sozialen Energiedienstleister.

Ursprünglich gehörte das Berliner Stromnetz dem Land Berlin und war Teil der Infrastruktur zur kommunalen Daseinsvorsorge. Im Zuge der Privatisierungswelle wurden die Berliner Elektrizitätswerke (Bewag) im Jahr 2003 an Vattenfall veräußert. Mit der Bewag fiel auch das Stromnetz in die Hände des schwedischen Konzerns. Seitdem fließt der sichere Gewinn aus dem Netzbetrieb von derzeit sechs bis acht Prozent in die Taschen der schwedischen Konzernzentrale – Geld, das zum Großteil aus Gebühren für die Durchleitung des Stroms stammt – bezahlt von den Berlinerinnen und Berlinern. Nach Willen des Energietisches sollen diese Gewinne nicht in die Hände Privater gelangen, sondern in Berlin für den Ausbau erneuerbarer Energien, für eine ökologische Modernisierung der Netze sowie für soziale Belange eingesetzt werden.

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Foto: Nach der Berliner Abgeordnetenhauswahl übergeben Aktive des Energietisches dem Koaltionspartner SPD einen offenen Brief mit der Forderung das SPD-Wahlkampfversprechen der Rekommulisierung im Koalitionsvertrag zu verankern

Mit dem Volksbegehren "Unser Hamburg – Unser Netz" hat sich bereits ein Großteil der Hamburger Bevölkerung für Energienetze in kommunaler Hand ausgesprochen. Wie der Berliner Wassertisch eindrucksvoll bewiesen hat, ist diese Mobilisierung auch in Berlin möglich. Deshalb startet der Energietisch Anfang 2012 mit der Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren. Das dreistufige Volksgesetzgebungsverfahren beginnt in Berlin mit dem Antrag auf ein Volksbegehren. Falls das Begehren nach dieser ersten Stufe nicht bereits übernommen wird kommt es in der zweiten Stufe zum Volksbegehren. Danach stimmen die Bürgerinnen und Bürger im Volksentscheid direkt über das Begehren ab. Ziel des Energietisches ist die Kopplung der Abstimmung mit der Bundestagswahl 2013 und damit auch mit dem Volksentscheid in Hamburg. Dann würde gleichzeitig in beiden Großstädten über die Energiepolitik abgestimmt und ein deutliches bundesweites Zeichen für eine ökologische, soziale und demokratische Energieversorgung gesetzt.

Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.berliner-energietisch.net.

 

 

Januar 2012/Oldenburger Energierat

 

Der Oldenburger Energierat engagiert sich schon seit 30 Jahren für nachhaltige Energiepolitik und maximale Mitbestimmung für BürgerInnen in Energiefragen. Der Verein setzt sich für Umwelt- und Klimaschutz sowie soziale Gerechtigkeit bei der Energieversorgung ein und stellt sich damit entschieden gegen die bislang üblichen Praktiken der Energiekonzerne, die auf Kohle und Atom setzen und primär im Interesse der Gewinnmaximierung handeln.


Insbesondere setzt sich der Oldenburger Energierat mit dem in seiner Stadt ansässigen EWE-Konzern auseinander, der als lokaler Netzbetreiber und dominanter Strom- und Gasanbieter in der Region aus Sicht des Vereins die Energiewende blockiert. Der Energierat empfahl daher den BürgerInnen den individuellen Anbieterwechsel – hin zu ökologisch und sozial verträglicheren Anbietern -  und hat in der Vergangenheit wegen überhöhter Preise einen Gaspreisboykott organisiert.

 

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Aktuell im Mittelpunkt stehen die Konzessionsverträge zwischen der Stadt und dem jetzigen Netzbetreiber, die 2013 auslaufen. Die Neuvergabe der Konzession bietet die Chance, neue Strukturen zu schaffen und Weichen für eine Energiewende zu stellen. Der Energierat forderte die Stadt daher auf, im Rahmen einer Studie alle Handlungsoptionen zu untersuchen, um eine ökologisch und ökonomisch optimale Entscheidung zu treffen. Da die entsprechenden Anträge zunächst im Stadtrat abgewiesen wurden, ging der Energierat sogar in Vorleistung und beauftragte eine erste fachliche Beurteilung. Inzwischen ist es gelungen, eine politische Mehrheit für die Erstellung eines umfassenden und unabhängigen Gutachtens zu schaffen.

 

Parallel zu den Diskussionen über die Notwendigkeit einer Studie lief jedoch bereits das Interessensbekundungsverfahren, an dem sich bis kurz vor Ablauf lediglich der bisherige Netzbetreiber beteiligte. Angeregt durch die Arbeit des Energierats und die öffentliche Diskussion hat sich die Oldenburger Energiegenossenschaft gegründet. Diese hat umgehend offiziell Interesse an der Übernahme der Netze bekundet und Zugang zu relevanten Informationen über deren Zustand erhalten. Zunächst streben die GenossInnen eine Kooperation mit einem etablierten Netzbetreiber an und wollen dann zunehmend eigenständiger werden, um die ökologische Neuausrichtung des Netzes voranzutreiben und der Gewinnabführung durch Großkonzerne ein Modell regionaler Wertschöpfung gegenüberzustellen.


Mehr Informationen unter www.energierat.org und www.olegeno.de.

 

 

Dezember 2011/ Netzwerk Energiewende Wesel - NEW

Nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima am 11. März 2011 fanden an vielen Orten in Deutschland Mahnwachen statt. Einige von denen, die in Wesel an den Mahnwacheaktionen teilgenommen haben, haben sich im Frühjahr 2011 zu dem Netzwerk für Energiewende Wesel (NEW) zusammengeschlossen. Die Mitglieder des Netzwerkes erteilen der zivilen und militärischen Nutzung der Atomkraft eine Absage. Sie fordern den sofortigen Ausstieg aus der Atomenergie, denn jeder weitere Tag birgt die Gefahr einer neuen Katastrophe. Sie engagieren sich für eine kommunal organisierte, dezentrale und demokratisch kontrollierte Energieversorgung.


Aktueller Ansatzpunkt für die Arbeit des Netzwerkes ist der 2013 auslaufende Konzessionsvertrag der Stadt Wesel mit dem Atomkonzern RWE. Für ein kurzes Zeitfenster, das sich nach 20 Jahren öffnet, erhält die Stadt Wesel jetzt die Möglichkeit die Konzessionen der kommunalen Stromnetze neu zu vergeben. Deshalb hat das Netzwerk einen Bürgerantrag an den Rat der Stadt Wesel gestellt, um die eigenen Stadtwerke in eine zukünftig ökologische und nachhaltige Energiepolitik einzubinden.


Zusammen mit den eigenen Stadtwerken könnte die Stadt Wesel die Energieversorgung wieder in die eigenen Hände nehmen und hätte die einzigartige Chance in Zukunft umweltfreundliche und bezahlbare Energie ausreichend verfügbar zu machen. Der Aufbau einer dezentralen, nachhaltigen und ökologischen Energieversorgung aus regionalen erneuerbaren Energien könnte damit in den Mittelpunkt kommunaler Wirtschaftsförderung und Sozialpolitik rücken.


Ein Konfliktpunkt ist die Kapitalbeteiligung des Kreises Wesel am Atomkonzern RWE. Wie viele andere Kommunen auch, besitzt der Kreis Wesel RWE-Aktien. Mit mehr als eine Million Aktien haben die Bürgerinnen und Bürger des Kreises die Atompolitik von RWE unterstützt.

 

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Deshalb fordern die NetzwerkerInnen: „Das darf nicht sein und wir fordern den Kreis Wesel auf, sich entweder für eine andere Politik innerhalb des RWE-Konzerns stark zu machen oder aber die Konsequenzen zu ziehen und die Aktien zu verkaufen. Wir müssen der Atomenergie in unserem Land den Geldhahn abdrehen!“


Aus den beiden Beispielen ergeben sich Zielkonflikte, die mit dazu geführt haben, dass es bisher in der Stadt und im Kreis weder ein Energie- noch ein Klimaschutzkonzept gibt. “Ein Ziel unseres Netzwerkes ist es, dieses in absehbarer Zeit zu ändern. Wir sind fest entschlossen!“ meinen die NetzwerkerInnen.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage des Netzwerks.

 

 

November 2011/ Projekt Schloss Tempelhof

tempelhof2Zwanzig Menschen aus vielfältigen Gesellschafts- und Glaubensrichtungen haben drei Jahre lang intensiv an einer Vision vom gemeinsamen Leben gearbeitet und über eine ökologisch nachhaltige, sozial gerechte und sinnerfüllte menschliche Daseinsform nachgedacht. Mit dem Tempelhof wurde Anfang des Jahres 2010 das geeignete Objekt für die Umsetzung gefunden und die Projektgruppe erweiterte sich innerhalb kurzer Zeit auf eine Gemeinschaft von derzeit siebzig Erwachsenen und 15 Kindern.


Bisher wurde der Tempelhof ausschließlich mit fossilen Brennstoffen über eine Heizzentrale mit Nahwärmenetz beheizt und auch entsprechend Warmwasser aufbereitet. Die Bausubstanz war größtenteils noch ohne jegliche Wärmedämmungen. Fenster und Türen waren noch aus den 60ziger bis 80ziger Jahren. Im Frühjahr 2011 wurde deswegen begonnen, zwei große Wohnheime komplett zu sanieren. Im Sommer wurden zudem auf verschiedenen Dächern rund 100 KWp Photovoltaik aufgelegt. Die ganze Anlage ist bereits auf eine Speicherung ausgelegt, so dass zukünftige Speichersysteme eingegliedert und dann auch Stromautarkie erreicht werden kann.

 

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„Mit dem Tempelhof ist uns als Lebensgemeinschaft ein wirklich großes freies Entwicklungsfeld zur behutsamen Pflege übergeben worden. Wir sind uns hier alle den Möglichkeiten und auch der Verantwortung bewusst, hier wirklich im Sinne einer 7Generationen Entwicklung tätig zu sein. Gerade die momentane politische Entwicklung zeigt uns allen, dass es Alternativen zu einem maßlosen Wirtschaften und über individualisierten Lebensformen braucht.“


Im Mittelpunkt der Bemühungen der Arbeitsgruppe Energie stehen nun der Umbau des bisherigen Notstromaggregates in ein eigenes Blockkraftwerk, sowie die gesamte Umstellung der fossilen Heiztechnik in nachhaltige Systeme. Hierfür treffen sie sich seit einigen Monaten mit neun Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung, um eine gemeinsame Biogasgesellschaft zu gründen. Im Zentrum steht dabei eine vorrangige Gülle-Mistanlage zu konzeptionieren und nur untergeordnet nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. Kleegras, beizumengen. Gleichzeitig werden bereits Alternativen, wie zum Beispiel eine Hackschnetzelanlage oder die Speicherung von Solarthermie geplant.

Mehr Informationen finden Sie unter www.schloss-tempelhof.de.

 

 

Oktober 2011/ Solarverein Berlin Brandenburg e.V.

Aus der Idee für einen "Solarbezirk Steglitz-Zehlendorf" auf einem Zukunftskongress im Herbst 2002 entstand 2003 der Solarverein Steglitz-Zehlendorf, der später in den Solarverein Berlin Brandenburg umbenannt wurde. Seit seiner Gründung hat der Solarverein bereits neun Bürgersolaranlagen in Berlin und Brandenburg aufgebaut. Mit den bisher errichteten Anlagen hat der Solarverein Berlin-Brandenburg e.V. insgesamt 230 kWp aufgebaut, die ca 200.000 kWh Strom erzeugen - mit einer Investitionssumme von über einer Million Euro. Beteiligt sind mehr als 200 Bürgerinnen und Bürger, die sich persönlich für eine nachhaltige Stromerzeugung einsetzen. Bei einer „Bürgersolaranlage“ handelt es sich um eine durch eine Beteiligungsgemeinschaft aus Privatpersonen finanzierte und betriebene Photovoltaikanlage. Die Investition lohnt sich nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für den eigenen Geldbeutel aller Beteiligten. Durch die staatlich garantierte Solarstrom-Vergütung amortisiert sich die Anlage in ca. 10-13 Jahren. Danach fließt der Gewinn in die Kassen der beteiligten Bürgerinnen und Bürger.


Im Januar 2004 wurde das erste gemeinschaftlich finanzierte „Solarkraftwerk“ auf dem Dach der Werkgemeinschaft für Berlin-Brandenburg Sozialtherapeutische Werkstätten gGmbH (WBB) errichtet. Der Solarverein hat derzeit rund 70 Mitglieder. Alle Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Solarvereins arbeiten dabei ehrenamtlich. Einmal im Monat treffen sich die Aktiven des Vereins zu einem „Arbeitstreffen“.

 

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Foto: Einweihung der ersten Bürgersolaranlage des Solarvereins

Um die vielen Fragen von Bürgersolarinitiativen nach Information zu beantworten hat der Solarverein ein „Starterpaket“ zusammengestellt, mit dem er die Initiativen mit Tipps, Musterverträgen und Formularen versorgt. Zudem finden immer wieder Workshops angeboten, die sich an Umweltgruppen, Initiativen und Interessierte, die den Aufbau einer Bürger-Solaranlage planen und darüber hinaus Bürgerbeteiligungsmodelle an regenerativen Energieanlagen diskutieren wollten, richten. Damit unterstützen sie ihr Vereinsziel Öffentlichkeitsarbeit für die Idee der Bürger-Solar-Gesellschaften zu betreiben und die Gründung und den Betrieb von weiteren Bürger-Solar-Gesellschaften, insbesondere durch fachliche Beratung und Mithilfe, unentgeltlich zu unterstützen.

Der Solarverein Berlin e.V. erhielt für sein Umweltengagement u.a. den Berliner Umweltpreis des BUND Landesverbands Berlin. 

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Solarvereins.

 

 

September 2011/ Osnabrücker Klimaallianz


Die Osnabrücker Klimaallianz (o.k.), gegründet 2007, ist eines der kommunalen "Bottom up"-Klimabündnisse, die sich als lebendige Szene gerade in etlichen Städten und Regionen etablieren. In der o.k. arbeiten umwelt- und entwicklungspolitische, gesellschafts-, energiepolitische und kirchliche Organisationen zusammen, um in Osnabrück die konkrete Umsetzung von kommunalem Klimaschutz und Klimagerechtigkeit zu fördern.

Zunächst machte die o.k. die Klimaschutzziele der Stadt zum Thema, entwickelte Vorschläge zum  kommunalen Ausbau der Erneuerbaren Energien, argumentierte entschieden gegen Investitionen in neue Kohlekraftwerke und für den Atomausstieg. Klimaschutz wird immer als zentrale Frage der Nord-Süd-Gerechtigkeit angesprochen. Die o.k. als politisch unabhängiges Bündnis ist im Gespräch mit Politik, Stadtverwaltung und Stadtwerken, Wirtschaft und Universität/Hochschule.

Osnabrück hat eine gute Tradition im Klimaschutz. Die Stadt ist Anfang der 90er Jahre dem Klimabündnis der Städte mit den Indigenen Amazoniens beigetreten, es gibt seit über 20 Jahren eine vielfältige Szene von Klimaschutz-Akteuren, eine Bilanzierung und sehr engagierte Verwaltungsarbeit. Allerdings fehlt bisher ein zusammenhängender und wirklich mutiger Klimaschutzplan. Städte können aber die dringend erforderlichen Ziele der CO2-Reduktion nur dann erreichen, wenn Klimaschutz und Energiewende als eine der zentralen gemeinsamen Aufgaben - und Chancen - der Stadt und der Bürgerschaft verstanden wird.

 

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Foto: Aktion der Osnabrücker Klimaallianz zum Klimagipfel in Kopenhagen

 

Auf Einladung der o.k. haben seit Anfang 2011 etwa 20 bürgerschaftliche Organisationen das KlimaStadt-Projekt Osnabrück begonnen. - "Unser Ziel: Klimaschutz soll zu einem gemeinsamen Projekt der Stadt werden, das zu anhaltender Motivation der Akteure, zu einer KlimaStadt-"Identität" und zu konkreter Umsetzung führt."

In der ersten Phase ("bürgerschaftlicher Anstoß") bis Oktober 2011 tragen fünf Arbeitsgruppen ihre z.T. langjährige Klimaschutz-Erfahrung und Good Practice-Modelle anderer Städte zusammen. Dieser partizipative Ansatz führte bereits zu viel Aufmerksamkeit und intensiver Vernetzung. In der zweiten Phase ("kooperative Umsetzung") soll dann mit allen kommunalen Akteuren die Bildungs- und Motivationsarbeit zur KlimaStadt intensiviert werden. Die Projektbausteine legen besonderen Wert auf Breitenwirkung mit Hilfe von kreativen, kulturellen und interaktiven Methoden.

Mehr zur Osnabrücker Klimaallianz auf der Homepage: www.osnabruecker-klimaallianz.de

 


August 2011 / Bioenergiedorf Oberrosphe eG

Im Jahr 2007 gründeten Bürgerinnen und Bürger des hessischen 850-Seelen-Dorfs Oberrosphe die  Bioenergiedorf Oberrosphe eG. Der Gedanke dahinter war, vor Ort zum Klimaschutz beizutragen und sich gleichzeitig unabhängig von fossilen Energieträgern zu machen. Schon ein Jahr später wurde mit dem Bau eines mit Hackschnitzeln betriebenen Biomasseheizkraftwerks und der Verlegung des sieben Kilometer langen Nahwärmenetzes begonnen. Nach nur sechs Monaten wurde das Gemeinschaftswerk, das die Hälfte der Oberrospher Haushalte versorgt, in Betrieb genommen. Zusätzlich bestückte die Initiative die Dächer des Heizhauses und der Lagerhalle mit Solaranlagen, welche Strom ins öffentliche Netz einspeisen. Die Hackschnitzel werden aus Resthölzern der regionalen Sägeindustrie und übrig gebliebenem Kronenholz aus dem Forst hergestellt. Das Resultat: Der Kohlendioxidausstoß der angeschlossenen Haushalte des Dorfes wurde innerhalb von nur zwei Jahren um die Hälfte reduziert. 350 000 Liter Heizöl werden im Jahr gespart. Auch persönlich profitieren die Oberrospher von ihrer Anlage: Dank beständiger Energiepreise sparen die Haushalte etwa 400-500 Euro an Heizkosten pro Jahr, die Regionalwirtschaft wird gefördert und der ländliche Gemeinschaftsgeist wird auf Grund der gemeinsamen Initiative wiederbelebt.

 

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„Wir, die Bioenergiedorf Oberrosphe eG, haben uns zum Ziel gemacht, den Ort mit grüner Energie zu versorgen. Zu diesem Zweck wurde am 24. Februar 2007 von Bürgerinnen und Bürgern aus Oberrosphe eine Gewerbliche Waren- und Dienstleistungsgenossenschaft gegründet. Für die Wärme- und Stromerzeugung durch Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen wird der Einsatz von fossilen Energieträgern reduziert. Die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen ist eine zukunftsweisende Alternative für die Erzeugung von Strom und Wärme.“

Die Betreiber des Projekts, die mit viel ehrenamtlichem Engagement für den Erfolg des Bioenergiedorfs sorgen, geben sich mit dem bisher Erreichten jedoch nicht zufrieden. Sie beabsichtigen noch in diesem Jahr eine Kooperation mit umliegenden Landwirten abzuschließen. Geplant ist der Bau einer Biogasanlage seitens der Landwirte. Diese soll das Heizwerk mit Gas beliefern, wo es mit Hilfe eines Blockheizwerks für die Stromversorgung Oberrosphes genutzt werden soll. Die dabei anfallende Wärme soll als Grundlastabdeckung ins Nahwärmenetz eingespeist werden. Außerdem sollen 2012 kleine Windkraftanlagen errichtet werden, um den Betriebsstrombedarf des Heizhauses zu decken. Die beständige Arbeit der Initiative wird im Dorf mit Erfolg gekrönt, denn inzwischen treten auch immer mehr Familien bei, die bei der Gründung der Genossenschaft noch zweifelten.

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Bioenergie Oberrosphe eG.

 

 

Juli 2011 / Unser Hamburg – Unser Netz
Ein breites gesellschaftliches Bündnis aus Umweltverbänden, Bürger- und Verbraucherinitiativen und Kirchen hat sich in der Initiative „Unser Hamburg – Unser Netz“ zusammengefunden, um die Rekommunalisierung der Hamburger Versorgungsnetze für Strom, Fernwärme und Gas durchzusetzen. Die Übertragung der Netze in öffentliche Hand sieht die Initiative als Voraussetzung für eine klimafreundliche, sozial gerechte und demokratisch kontrollierte Energiepolitik der Stadt. Ende 2014 laufen die Konzessionsverträge der Stadt Hamburg mit den Konzernen Vattenfall und E.on Hanse, die auf Kohle- und Atomkraftwerke setzen und somit der Energiewende im Weg stehen, aus. „Unser Hamburg – Unser Netz“ sieht in der Rekommunalisierung nach Auslaufen der Verträge eine Chance, sich von dieser rückwärtsgewandten Energiepolitik abzuwenden. Die Übernahme der Netze würde es der Stadt zum Beispiel ermöglichen, mit dem erforderlichen Umbau zu intelligenten Netzen zu beginnen und dezentrale Versorgungsstrategien zu verfolgen.

 

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"Die Energienetze sind eines der wichtigsten energiepolitischen Instrumente für eine Kommune, um eine klimaschonende und sozial gerechte Versorgung mit Strom und Wärme aufzubauen - mit dem Ziel 100 % Erneuerbare. In Hamburg ist eine starke Bewegung entstanden, die die zukunftsgefährdende Koalition von Landesregierung und den Verhinderern der Energiewende durchbrechen und diese wichtige Infrastruktur unter demokratische Kontrolle bringen will."

Letztes Jahr startete „Unser Hamburg- Unser Netz“ seine Volksinitiative zum Rückkauf von Hamburgs Energienetzen und nahm mit 17.726 Unterschriften erfolgreich die erste Hürde. Die Bürgerschaft übernahm die Initiative jedoch im Dezember nicht. Im nächsten Schritt kam es folglich zum Volksbegehren, für das innerhalb von drei Wochen weit mehr als die notwendigen 62.732 Unterschriften gesammelt wurden. Ganze 116.197 Unterschriften übergab die Initiative, welche auch prominente Unterstützung durch diverse Hamburger Künstler und Ex-Bürgermeister Henning Voscherau erhielt. Sollte die Hamburger Bürgerschaft auch das Volksbegehren nicht übernehmen, würde es 2013 zu einem verbindlichen Volksentscheid kommen. Schafft es „Unser Hamburg – Unser Netz“ genügend Bürgerinnen und Bürger für sich zu gewinnen, wäre dieser Termin Hamburgs Chance seine energie- und strukturpolitische Handlungsfähigkeit wiederzugewinnen.

Mehr Informationen finden Sie auf der Homepage der Initiative.